Blog statt Stoff
KlientInnen «bloggen» über Tragisches und Komisches, über Bedeutsames und Banales, über Alltägliches und Aussergewöhnliches.
U wie ULMENHOF-Ulme
Heute früh lief ich mit Theo - unserem Kunsttherapeuten - über den Platz vor der Produktion: Man sieht hier über den Rasen auf den hinteren Teil des alten ULMENHOF-Hauses. Die Fläche ist nicht sonderlich gross und verläuft parallel auseinanderlaufend zwischen dem alten Haus und den Werkstätten. Der Platz wirkt in letzter Zeit etwas leer und ausgestorben.
Grund dafür ist die alte Ulme, welche nun schon fast seit vierzehn Tagen nicht mehr dort steht.
Wir fragten uns, wie alt der Baum wohl gewesen sein mag bevor er starb und man ihn fällte.
Ich lernte den Baum erst kennen, als es nur noch ein toter mit Efeu bewachsener Stumpf war, in dem sich oft Vögel aufhielten und dort gerne nisteten. Er deckte den ganzen Bereich zwischen dem alten Wohnhaus und dem Produktionsbereich mit seiner Aura ein,
was mir sonderbarerweise erst jetzt - zwei Wochen nach seinem Verschwinden - auffällt.
Vielleicht weil ich nicht allzu oft hier vorbeikomme? Vielleicht weil die Präsenz des einst mächtigen Baumes so selbstverständlich war? Wie wird es hier im Frühling vor ein paar Jahren noch ausgesehen haben? Ein im Winter etwas schwer vorstellbarer Gedanke!
Dennoch stelle ich mir vor, wie der Baum einst an einem Vormittag im Mai, mit vielen Blättern behangen, umgeben von zwitschernden Vögeln und diversen Insekten, auf die Umgebung des alten Hauses gewirkt haben muss. Man muss von der Wohnküche aus wohl direkt in das Innere der Baumkrone gesehen und an windigen Tagen das Rauschen der Blätter vernommen haben. Es war sicherlich auch zu beobachten, wie sich das Licht in den verschiedensten Farben im Baum widerspiegelte. Man sah einen Baum, der lernte, sich an das gegebene Umfeld anzupassen - genau wie die ULMENHOF-Bewohner. Ein Baum, der sich durch die Jahreszeiten veränderte und der wuchs, der Wurzeln schlug. Auf diese Weise schuff er Raum für seine Existenz. Zuletzt war es eine stolze Ulme, die selbst nach ihrem Tod noch sehr stark präsent war.
Einen letzten Streich spielte der Baum am Tag seiner Fällung: Man sägte bereits an ihm als er vorzeitig und mit einer riesigen Wucht auf die Pflastersteine beim Parkplatz
donnerte. Er kippte für alle Beteiligten überraschend. Man sah nun das das Wurzelwerk: Längst verfault verschaffte es dem Baum keinen Halt mehr.
Die Ulme kostete ihr Leben bis aufs Letzte aus und sollte uns Bewohnern darum in wichtiger Erinnerung bleiben.
Blogger: R., ULMENHOF
Vater-Tochter-Tage
Zurück aus meinen Ferien bin ich heute müde aber überglücklich wieder in meiner Wohnung im BACHMOOS angekommen. Drei Tage voller Zufriedenheit und Action sind nun Vergangenheit. Eigentlich wollte ich längere Zeit mit meiner Tochter Seraina in den Bergen bei Klosters verbringen. Doch wegen Differenzen zwischen mir und meinem Therapeuten der ALTERNATIVE wurden mir keine Ferien genehmigt. Und so will ich die kurze Zeit, die ich mit Seraina habe, so gut es geht ausnützen.
Wir reisen mit dem Zug von Obfelden nach Klosters. Unsere Zugfahrten sind immer wieder ein riesen Spass: Wir spielen Karten, denken uns Rätsel aus oder erfinden Geschichten, die wir uns gegenseitig erzählen. Ein Klassiker ist auch das bekannte «Ich sehe was, was du nicht siehst». So vergeht die Zeit wie im Flug und schneller als erwartet kommen wir in unserem geliebten Klosters an, bei Sonnenschein und super Bergluft.
Ich spüre die Anspannung bei Seraina. Sie liebt es, in den Bergen zu sein; vor allem in unserem «Holzhaus», wie sie unser Bauernhaus nennt. Nach einem kurzen Einkauf im Coop nehmen wir den Ortsbus nach Monbiel, um uns endlich im Holzhaus niederzulassen und einzurichten. Ich richte die Zimmer her während Seraina alle Tiere, die es rund ums Haus gibt, begrüsst. Zurück kommt sie mit einem hübschen, kleinen Laubfrosch. Sofort wird die Badewanne zum Amphibienteich umfunktioniert, damit unser Gast auch artgerecht versorgt werden kann. Die Tierliebe meiner Tochter ist grenzenlos, ob Pferde, Schlangen oder Frösche, am liebsten würde sie alle im Haus beherbergen.
Am nächsten Tag stehen Action und Spass auf unserem Wunschprogramm. Also fahren wir mit dem Postauto nach Klosters und fahren mit der Luftseilbahn hoch hinauf zur Madrisa Bergstation. Heute ist Eröffnung des Madrisa- Landes. Ein Abenteuerspielplatz der Superlative. Weil es der erste Tag und die Einweihung dieses Spielplatzes ist, ist alles gratis. Dies kommt meinem knappen Budget sehr entgegen. Nach dem Mittagessen beschliessen wir, mit den Cross-Trottinet eine waghalsige Abfahrt nach Saas zu riskieren. Ein riesen Spass! Action auf gut 10 Kilometer.
Müde und etwas havariert – Seraina stürzte mit dem Trottinet, ihr Knie und ihr Handgelenk sind aufgeschürft – fallen wir nach einer Wundpflege und einem guten Abendessen in einen tiefen und glücklichen Schlaf. Auch unser Frosch wurde von meiner Tochter liebevoll versorgt und mit einer Gutnachtgeschichte in den Garten zurück getragen. Dies war das letzte Mal, dass wir ihn gesehen haben, was Seraina etwas traurig stimmte und von mir einiges Geschick abverlangte, ihr die Natur und ihren Verlauf zu erklären.
Bald müssen Seraina und ich wieder ans Nachhause fahren denken, was auf die Stimmung drückt. Geplant war ja mal, dass wir länger bleiben, doch wie erwähnt bekam ich keine längeren Ferien. Nach einem schönen letzten Tag geht es nun definitiv ans Packen, ans Verabschieden und ans Abreisen. Es steht uns eine lange Zugfahrt bevor, die uns eher etwas schwermutig und weniger erfreulich vorkommt als die Hinfahrt vor drei Tagen. Für Seraina und mich ist es immer etwas bedrückend wenn wir uns von unserem geliebten Klosters verabschieden müssen, dieses Mal ganz besonders, weil wir geplant hatten, mehr Zeit in Kosters zu verbringen. Bei mir kommen wieder Unverständnis und etwas Wut auf über die Entscheidung des Teams. Auch hätte ich meiner Tochter sehr gerne längere Ferien gegönnt. Doch wir haben während diesen Tagen so intensiv gelebt, dass wir uns auch mit diesen kurzen Ferien glücklich schätzen. Sie werden uns in guter Erinnerung bleiben!
Die nächsten Ferien stehen schon vor der Türe und ich habe mir vorgenommen, früher
und genauer abzuklären, wann und wie lange ich Ferien bekomme, um solche Enttäuschungen zu vermeiden.
Klosters, wir kommen bald wieder!
Blogger: W. , BACHMOOS
Deine Meinung
Feedbacks, Kommentare oder Fragen zum Blog-Eintrag?
Bitte diese an jeannette.alison@diealternative.ch mailen - Zuschriften werden an dieser Stelle publiziert.
