Zwei Generationen in der Therapie

Seit 1984 arbeiteten wir mit zwei Generationen in der Suchttherapie und stellen durchwegs fest, dass bei den involvierten Kindern immer erst sehr spät gehandelt wird. Unbewusst stützt man sich auf die nicht vorhandene Lobbyfunktion der Eltern. In der Folge werden Kinder versteckt. Aus Angst, das Kind könnte ihnen weggenommen werden, schweigen die Suchtabhängigen. Dem betroffenen Kind werden einmal mehr die dringend notwendigen Schutz-, Unterstützungs- und Fördermassnahmen vorenthalten. Da nun praktisch alle Angebote im Bereich Schutz, Unterstützung und Förderung der Kinder auf der Lobbyfunktion der zuständigen Erziehungspersonen aufbauen, weisen versteckte Kinder auf allen relevanten Ebenen massive Mangelerscheinungen auf. Diese Isolation der betroffenen Kinder stellt eine Form von struktureller Misshandlung dar.

 

Das Familienleben ist neben der Sucht durch mehrfach problematische Ausstattungs- und Verknüpfungsdefizite geprägt. Hinzu kommt die Illegalität des Suchtmittels, die Randexistenz und damit verbunden eine relativ umfassende Isolation der Betroffenen. Mit viel Aufwand und Energie setzen die Eltern alles daran, das Bild einer normalen Familie aufrechtzuerhalten. Die Kinder lernen, ihre Situation zu verheimlichen und verbünden sich mit ihren Eltern.

 

Bei den Kindern in der Therapie beobachten wir immer wieder hochproblematische Belastungsfaktoren wie:

 

  • Wechselhafter Erziehungsstil: Schwankungen zwischen Verwahrlosung und Vernachlässigung auf der einen und Verwöhnung und Überbehütung auf der anderen Seite

  • Defizitäre Förderung der Entwicklung

  • Verleugnung und Tabuisierung der Sucht

  • Konfrontation mit Gewalt und Missbrauch

  • Konfrontation mit Krankheit und Tod

  • Konfrontation mit suchtspezifischen Gemütszuständen bei den Eltern, wie Entzugssymptome, etc. 

  • Sozial-kulturelle Ausgrenzung und Isolierung der Eltern

  • Defizitäre materielle Verhältnisse, Armut

  • Begrenzter Zugang zu Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten

  • Erleben von Beziehungsabbrüchen und Beziehungsverlusten

 

Im Wissen um diese speziellen Belastungen drogenkonsumierender Eltern – häufig waren diese in ihrer Kindheit selbst schweren traumatisierenden Bedingungen unterworfen – haben wir ein institutionelles Netz aufgebaut. Dieses erlaubt eine eigenständige Planung für die Erwachsenen und für die Kinder; bei gleichzeitiger Durchlässigkeit und der Option, mit der zusammengeführten Familie zu arbeiten.

 

In jedem Falle steht der Kinderschutz an erster Stelle. Kinder eignen sich definitiv nicht, als Therapeutikum für den Prozess der betroffenen Eltern eingesetzt  zu werden. Unser Kinderhaus TIPI ist eine Institutionseinheit, die primär dem kurzfristig realisierbaren Schutz der Kinder verpflichtet ist. Kinder können innert Tagesfrist notfallplatziert werden. Die Schutzmassnahmen müssen situationsberuhigend wirken und von Anfang an Förderelemente beinhalten.

Adresse:

Kinderhaus TIPI

Alte Urdorferstrasse 2

8903 Birmensdorf ZH

 

Situationsplan



Anmeldung - Koordination - Auskünfte:

 

KANU

Beratung und Nachsorge

Schützengasse 31

8001 Zürich

Tel. 044 454 40 50

kanu@STOP-SPAM.diealternative.ch

 

Notfall-Aufnahmen:

044 777 60 90

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